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…wie alles begann… (Part 5 )

Lesedauer 4 Minuten

…nun war es endlich soweit, acht Monate hatte ich mich konsequent auf den IRONMAN in Roth (bis 2000 war Roth ein off. Qualirennen für den IRONMAN auf Hawaii) vorbereitet.
In den letzten Stunden vor dem Start passierten noch so einige selbstverschuldete Missgeschicke. Ich hatte keine Zeit meine Laufräder noch mit den nötigen Reifendruck zu versorgen. Weiter vergass ich kurz vor dem Start meine „optische Schwimmbrille“ (ich bin Brillenträger und hatte zu diesem Zeitpunkt keine Kontaktlinsen). Zum Glück ging es in dieser Zeit auch durch den Kanal in Roth. D.h. 1,9km in die eine bzw. 1,9km in die andere Richtung. Somit konnte ich im „Blindflug“ die Schwimmstrecke bewältigen. Hier machte sich mein „positives“ Denken bezahlt. Ich machte das Beste aus der Situation. Nach rund 52:48min kam ich aus dem Wasser.
Auf dem Rad ging es mit dem trouble shooting weiter. Mein Herzfrequenzmessgerät „verabschiedete“ sich. Ich hatte im Vorfeld selbstständig die Batterie gewechselt. Diesen Fehler beging ich in der Zukunft nicht mehr. Das was ich bisher zur Trainingssteuerung bzw. in längeren Rennen zum pacen nutzte stand mir nicht mehr zur Verfügung. Am Ende aber zeigte sich, daß ich durch das regelmäßige Training mit dem Herzfrequenzmessgerät auch mein Körpergefühl schulte. So absolvierte ich das ganze Rennen mit meinem Körpergefühl. Auf der Radstrecke musste ich am bekannten „Solarer Berg“ absteigen, da ich Schaltungsprobleme hatte. Diese waren selbstverschuldet, kurz vor dem Rennen wechselte ich den Zahnkranz und einer der Distanzringe zwischen den Ritzeln hatte den falschen Durchmesser, so blieb die Kette in einem bestimmten Gang nicht auf diesem. Weiter hatte sich mein Hinterrad etwas „verschoben“ d.h. „schleifte“ am Rahmen. Glücklicherweise stand mein Trainer (Thomas Gleißner) am Streckenrand und konnte mir helfen (der „Anschiss“ war entsprechend). Es gab sogar noch etwas Luft für meine Reifen. Diese ganzen „Unwegbarkeiten“ brachten mich nicht aus dem Konzept. Ich war so fokussiert, zielorientiert,… daß ich mit einer Radzeit von 4:50h das Radziel erreichte. Auf der Laufstrecke gab es fast keine Zwischenfälle.

Die ersten 21,1km lief ich um die 1:30h, was zur Folge hatte, daß ich 4km später die Verpflegungsstationen etwas intensiver aufsuchte. Weiter lief ich mir zusehends Blasen in beide Fußgewölbe. Den Marathon lief ich ohne Socken. Die Frage bei solch einem Wettbewerb ist immer: welche Schmerzen sind die größten? Die muskulären oder die sich durch Blasen oder ähnliches aufbauen? Am Ende lief ich den Marathon in 3:14h und wusste, daß hier noch Potential liegt. Meine Endzeit lag dann bei 8:57,10h und ich hatte ebenfalls meine Qualifikation für Hawaii in der Tasche. Alle Ziele, die ich mir für 1992 gesetzt hatte waren erreicht!

Was ist/war die Maxime aus diesen ersten 2 Jahren mit Herzfrequenzmessung, Leistungsdiagnostik, Trainingssteuerung,..?

Leistungsdiagonstik:
egal wie diese aussieht (Art der Durchführung), über die tatsächliche Wettkampfleistungsfähigkeit kann sie bedingt eine Aussage treffen. Die Durchführung einer LD oder KLD ist sinnvoll. Die daraus gewonnenen Parameter, Informationen,… sind sinnvoll und unterstützen eine Trainingsplanung.

Trainingsplanung:
ohne diese werden gesteckte Ziele (wie auch immer diese aussehen) kaum oder nicht erreicht. Sie sind der Weg zu dem angestrebten Ziel. Trotzdem reicht der Plan und die Durchführung nicht aus um das Ziel zu erreichen. Besonders hier ist ein Verständnis warum man den Plan, die Trainingseinheit, die Intensität,… absolviert extrem wichtig. Es reicht nicht nur die Vorgaben „körperlich“ zu erfüllen, man muss sie auch verstehen.

Herzfrequenzmessung:
dies ist die einfachste Form der Steuerung im Training. Die Herzfrequenz ist die direkte Rückmeldung meiner Belastung. Weiter lehrt bzw. schult sie das „Körpergefühl“. Dieses trügt uns im Sport immer wieder (egal wie lange man diesen betreibt). Parameter wie Geschwindigkeit sind „ergebnisorientierte“ Daten. Mit einer Diagnostik erhält man für den jeweiligen „Stoffwechsel“ die entsprechenden Herzfrequenzbereiche.
Unsere Herzfrequenz wird unterschiedlich beeinflusst (Tagesform, Umgebungstemperatur, Hydrationsstatus,…). Aber durch regelmäßiges verwenden eines Hf-messgerätes kann ich die angezeigten Werte unter Berücksichtigung z.B. von äußeren Einflüssen besser interpretieren = Körpergefühlsschule.
(dieses Thema ist auch gerne noch einen blog wert)

Kontinuität:
einer der sichersten Erfolgsgaranten um sein Ziel zu erreichen. Der Idealzustand eines Sportler ist ohne Krankheit, Verletzung,… durch die Vorbereitung (auch Saison) zu kommen. Die Kontinuität ist die Basis des Erfolges. Daher ist bei einer Trainingsplanung immer die Durchführbarkeit zu berücksichtigen. Jegliche Überforderung (körperlich, aber auch psychisch = Stress) kann das Gleichgewicht stören. Gerät das System aus diesem ist der Fokus auf das Ziel extrem hilfreich.

Fokus:
dieser ist im Training, sowie im Wettkampf extrem wichtig. Gerne wird hier das Wort „Achtsamkeit“ verwendet. Dies bedeutet nichts anderes als sich auf das hier und jetzt zu konzentrieren. Im Training ist dies wichtig um den 100% Erfolg der Trainingseinheit (TE) zu erreichen. Im Detail bedeutet dies, sich vor und während der TE bewusst machen, warum, weshalb und wieso ich dieses Programm durchführe. Z.B. beim Schwimmen, warum führe ich diese schwimmtechnische Übung durch, welchen Effekt soll diese haben, spüre ich diesen,…? Natürlich schweifen die Gedanken gerne in die Vergangenheit (z.B. …wie war mein Tag,…) oder auch Zukunft (z.B. …was muß ich heute noch erledigen…). Dies ist ganz natürlich und auch tolerierbar. Trotzdem ist das Ziel sich wieder in das hier und jetzt (Fokus) zu holen. Wie so vieles ist auch dieses trainierbar. Im Falle des Sporttreibenden, muß man sich nicht zwingend extra Zeit dafür nehmen, um diese Eigenschaft (Fokussierung) zu üben.
Mit der Fähigkeit der Fokussierung kann man z.B. in einem Rennen viel leichter mit unterschiedliche Widrigkeiten umgehen.

Danke für dein Durchhaltevermögen